Einmal mehr beweist Jenny Erpenbeck in ihrem aktuellen Roman, dass Menschen durch zeitliche Ereignisse veränderungswillig sind, und dass dabei Zufälle eine große Rolle spielen. Als afrikanische Asylwerber am Oranienplatz in Berlin einen Hungerstreik machen, wecken sie das Interesse eines Passanten, es ist der verwitwete emeritierte Altphilologe Richard. Er nimmt Kontakt...
Die Erzählstimme des Buches Kambili, das sechzehnjährige Mädchen nigerianischer Herkunft, lebt in einer diktatorisch durchstrukturierten Welt, die von ihrem Vater bestimmt wird. Kambilis Familie, bestehend aus ihrem Bruder Jaja und den Eltern, lebt in wohlhabenden Verhältnissen und ist äußerst großzügig gegenüber ihren katholischen Glaubensbrüdern und -schwestern. Der Vater, als Symbol...
Verena Mermers erster Roman „die stimme über den dächern“ wirbelt Baku, Aserbaidschan, durcheinander. Inmitten von Rebellion und Liebe sind es einzelne Stimmen, von Fremden und Freund_innen, die zu einer einzigartigen Geschichte zusammengewirbelt werden. Mit viel Liebe zum Detail, fast vorsichtig anmutend, lässt die Autorin die Geschehnisse passieren und kennt keine...
Um ihre Liebsten nicht zu belasten, lässt Rosa sie im Glauben, sie wäre nach der Chemotherapie genesen. Unter dem Vorwand, sich auf einer Reise von den Strapazen der Therapie erholen zu wollen, bricht sie nach Matera in Süditalien auf – den Ort, an dem mit ihrer ersten Liebe alles begonnen...
Der Name Bertha Antoinette Mason steht in der Literatur für das Hindernis zu Jane Eyres Liebesglück. Die Verrückte am Dachboden. Doch abseits des lakonischen Urteils, es handle sich um eine mörderische Wahnsinnige, gewährt uns Brontë keine Einsicht in die Figur. Dazu bedarf es der Neuauflage dieses bereits 1966 erstmals erschienen...
Ally wächst in Manchester in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester May unter einer strengen, asketischen Mutter und einem künstlerischen, hedonistischen Vater auf. Die autoritäre, katholische Mutter setzt sich für die Armen und Kranken in der Gesellschaft ein und erwartet ein ähnlich selbstloses Engagement von...
Zwei befreundete Familien machen dreißig Tage Urlaub auf einer einsamen Insel. Sie machen das seit vielen Jahren, doch dieses Mal wird es anders. Kurz vor der Abfahrt gesellt sich Sarah zu ihnen, eine junge, jüdische Frau, die mit Hund und wenig Gepäck aber mit einem Leben voll traumatischer Erlebnisse reist....
Eine Stadt soll entstehen, wo gerade eben noch Zelte und ein paar wenige Holzhäuser stehen. Ob mit dem Planwagen, zu Fuß oder mit einer Herde wilder Pferde im Schlepp, die kleine Siedlung kann sich über einen Mangel an Neuankömmlingen nicht beschweren. Ein Setting in dem Céline Minard die Schicksale ihrer...
Sigrun Casper hat eine fiktive Biografie geschrieben, mit der sie die Kindheit des 2013 verstorbenen Dichters Mario Wirz nacherzählt, erfindet, nachempfindet. Sie schreibt aus der Sicht des kleinen Kilian, bleibt aber in der Erzählerinperspektive – ein schwieriger Kunstgriff, der hervorragend gelungen ist. Sie bewahrt Distanz und ist doch ganz tief...
Die Bankangestellte Victoria wird Zeugin eines Banküberfalls und infolgedessen vom Dienst beurlaubt. Sie kehrt zurück in ihre Heimatstadt Bukarest und erkundet die Stadt ihrer Kindheit, die Stadt ihrer Gegenwart und das Dazwischen. Es sind melancholische, komische, kuriose, rührende Bruchstücke einer Biografie, die sich hier aneinander fügen, ohne ein gesamtes Bild...