Außergewöhnliche Porträts

Das Problem bei Rezensionen von Graphic Novels bzw. in diesem Fall einer Graphic Biography ist die Schwierigkeit, die Wirkung des Gezeichneten in Worte zu fassen, denn gerade das macht das Besondere aus, das Zusammenwirken von Text und Bild zu einem besonderen Leseerlebnis. In Pénélope Bagieus Band „Unerschrocken“ sind biografische Kurzporträts von 15 (mehr oder weniger) berühmten Frauen vereint, die jede auf ihre Art, in ihrer Epoche und in unterschiedlichen Weltgegenden Außergewöhnliches getan haben, wider alle Widerstände, unbeugsam und immer mit einem starken Willen für Veränderung. Ich muss gestehen, dass ich von den 15 auf Anhieb nur Josephine Baker und Tove Jansson kannte und auch von Christine Jorgensen, deren Geschichte als erste Transgender Person in den 1950ern durch die Medien ging, gehört hatte. Dann wurde mein Wissen wage, Leymah Gbowee, Frauenrechts- und Friedensaktivistin in Liberia und später Friedensnobelpreisträgerin oder Wu Zetian, einzige Kaiserin Chinas im 7. Jahrhundert oder Nzinga, Königin von Ndongo und Matamba (17. Jh.), kluge Herrscherinnen, aber nicht gerade zimperlich im Umgang mit Feind*innen. Entdeckerin Delia Akeley und Gynäkologin Agnodike im antiken Griechenland – Leerstellen in meinem Geschichtswissen. Die Porträts sind pointiert formuliert und zeichnerisch humor- und schwungvoll interpretiert, mit ähnlicher Bestimmtheit, Direktheit und Unerschrockenheit, die auch die Protagonist*innen ausstrahlen. Wie schön, dass im Mai auch schon Band 2 mit weiteren Biografien erschienen ist!
ESt
Pénélope Bagieu: Unerschrocken 1. Fünfzehn Porträts außergewöhnlicher Frauen. Aus dem Franz. von Claudia Sandberg und Heike Drescher. Reprodukt, Berlin 2017 EUR 24,70