Autor: m l

Jeder Fall trifft die Welt

Die Literaturwissenschaftlerin Christa Bürger bezeichnet sie als Mystikerin der Straße: Emmy Hennings, die spätere Mitbegründerin und erfolgreiche Schauspielerin des Cabaret Voltaire beschreibt Lebensstationen der Einsamkeit, Brotlosigkeit, Prostitution und Gefängnis. Im 1920 erschienenen Tagebuch-Roman „Das Brandmal“ geht es um eine Reise durch Deutschland als Großstadtnomadin und Landstreicherin. Bei der Ankunft am...

Kalt

Die Entscheidung für dieses Buch fiel der Redaktion nicht schwer, wird doch die schwedische Autorin Karolina Ramqvist explizit als Feministin gefeiert. Dennoch ist der Zugang zum Roman „Die weiße Stadt“ und zur Protagonistin nicht leicht. Karin lebt isoliert und am Rande der Verwahrlosung alleine mit ihrem Baby in einem großen...

Marillen in Wien

Elisabetta wohnt seit ihrer Kindheit in den 1940er Jahren in Wien mit einem Marillenbaum im Garten. Der Keller wird regelmäßig mit neuen Marmeladegläsern gefüllt. Elisabetta lebt mit den Erinnerungen an den Verlust ihrer Familie im Holocaust und spricht mit den Geistern ihrer Schwestern, die sich ganz schön einmischen in ihr...

Hoffnung

Reykjavík Ende des 19. Jahrhunderts. Guðfinna arbeitet als Tagelöhnerin, meist als Wäscherin oder Kohlenträgerin, und wohnt zusammen mit mehreren anderen in einer kleinen Hütte. Ihre Herkunftsfamilie wurde nach dem Tod des Vaters auf dem Meer in alle Winde zerschlagen. Eine Zeit lang arbeitete sie als Magd auf dem Land. Doch...

Tippen und Shimmy Tanzen

Wien in den 1920er Jahren. Neue Freiheit nach dem Weltkrieg – Kino, Tanzen, vage Zukunftspläne. Das sind die Dinge, die das Leben von Susi Urban prägen. Der Vater ist gefallen, die Mutter kann das Familiengeschäft nicht halten und lebt mit ihren zwei Töchtern sehr bescheiden in der Vorstadt. Susi versucht...

Spuren ihres Wesens

So vieles wurde bereits über die Rote Armee Fraktion geschrieben, über Meinhof, Ensslin, Baader. Doch Ingeborg Gleichauf schafft es, sich Gudrun Ensslin auf eine andere Art und Weise zu nähern. Anhand von Büchern, die Ensslin gelesen, Briefen, Postkarten, Texten, die sie geschrieben hat, versucht Gleichauf die Persönlichkeit Ensslins zu entschlüsseln....

Radikale Bodenlosigkeiten

Ein neu aufgelegtes Kult-Buch, das vor 20 Jahren publiziert wurde und ein neues Genre begründete: Experimentelle und zugleich autobiografische Bekenntnisliteratur. „I love Dick“ von Chris Kraus ist eine Art Delir, eine mehr imaginierte als reale psycho-sexuelle Schwärmerei einer fix liierten, psychisch instabilen, heterosexuellen Frau für einen akademischen Arbeitskollegen ihres Mannes....

Koch-Literatur

In diesem hübschen Bändchen kombiniert die Sprachwissenschaftlerin Diana Anfimiadi literarischen Text mit Biografie und Kochbuch. Geschmackserinnerungen an Gerichte oder Lebensmittel stellen den jeweiligen Ausgangspunkt für anekdotische Erzählungen, Zitate, Überlegungen und Assoziationen ihrer „kulinarischen Biographie“ dar. Manchmal verliert sie dabei den Faden, „also kehre ich zur griechischen Küche zurück“. Sie reist...

Ich bin eine Andere

Dilan ist Jesidin. Ihre Eltern fliehen eines Tages mit sechs Kindern aus dem Irak nach Deutschland. Dilan, ihre Mutter und Geschwister kommen gut damit zurecht, leben sich ein und schließen neue FreundInnenschaften. Ihrem Vater bleibt das neue Land jedoch fremd, Gewalt gegenüber seiner Frau wird zum Ventil für Frustrationen. Auch...

Kurze Seelenverwandtschaft

Zum 100sten Geburtstag von Carson McCullers wurde dieser Band neu aufgelegt. Gespiegelt wird darin die interessante aber hoffnungslose Beziehung zweier außergewöhnlicher Frauen: Die schweizerische abenteuerlustige Schwarzenbach und die zarte kränkliche amerikanische Autorin McCullers. Kurz bevor sie einander kennenlernten, hatte McCullers mit ihrem ersten Roman „Das Herz ist ein einsamer Jäger“...