Autorin: m l

Freiheit wohin?

Die Philosophin Lea Ypi legt mit ihrem Roman, der sich aus ihrer persönlichen Geschichte und der Aneinanderreihung politischer Ereignisse zusammensetzt, ein beachtliches Werk vor. Albanien als eine der letzten staatssozialistischen, europäischen Bastionen scheitert Ende 1990. Zahlreiche Demonstrationen setzen das politische System so massiv unter Druck, dass eine politische Kehrtwende stattfindet....

Abnabelungen und Neuanfänge

Der erste Roman der talentierten Jungautorin Lydia Steinbacher ist eine berührende Würdigung an das kaum beachtete Unrecht von Vertreibung, Zwangsumsiedlungen und Zwangsarbeit, das den Nachkommen der wolgadeutschen Kolonien bis in die junge Gegenwart hinein widerfahren ist und vor dem Hintergrund des derzeit kriegerischen Geschehens besonders aktuell ist. Die Autorin verknüpft...

Keine Heldinnen

Schicksale von Menschen in einer Umbruchzeit, die „Fleischwolf-Zeit“ in der damaligen Sowjetunion, heutigen Ukraine. Vier Frauen, Mütter und Töchter stehen im Zentrum. Lena, Hauptperson im ersten Teil, tritt der Leserin am nächsten – in Fragmenten wird von ihrer Beziehung zur Großmutter mit den Haselnussbäumen erzählt, bei der sie als Mädchen...

Fotoausstellung

2019 in Brüssel streifen drei Frauen zögernd auf der Suche nacheinander durch eine fotografische Werkschau ihrer verstorbenen Freundin aus Tiblissi. Fotos, die ihre erlebten Jugendjahre zeigen, so dass sie selbst gleichzeitig zu Betrachter­innen und Ausstellungsstücken werden. Erinnerungen an die gemeinsame Kindheit und Jugend Ende der1980er/Anfang der 1990er Jahre im krisen-und...

Die Sünden der Männer

Zweifelsohne legt Katharina Döbler mit ihrem semibiografischen Roman eine außergewöhnliche Familiengeschichte vor. Beide Großväter, aus ärmlichen Bauernfamilien stammend, lassen sich vom fränkischen Neuendettelsauer Missionswerk als protestantische Missionare anwerben und werden vor dem Ersten Weltkrieg nach Papua-Neuguinea entsendet. Ihre Aufgabe besteht darin, die dort lebenden Menschen zum Christentum zu bekehren und...

Wendekreis der Gewalt

Ein Slum an einer EU-Außengrenze, die hier nur äußerst selten in der Kritik am und in Protesten gegen das Grenzregime ins Blickfeld rückt. Die Komoreninselgruppe Mayotte im Indischen Ozean wurde nach einer Abstimmung im Jahr 2008 zum 101. französischen Überseedepartement und ist seit 2014 ein Gebiet äußerster Randlage der EU....

Die Wahrheit hat viele Seiten

Es ist das Jahr 1947, Johnny kehrt aus dem Zweiten Weltkrieg nach Lennox heim, einem Kaff in Connecticut. Glory, seiner jungen Ehefrau, erscheint seine Rückkehr nicht gerade gelegen. Sie ist verliebt in den Tankwart Ed, der als Schürzenjäger stadtbekannt ist. Ihre herzlose Mutter Lil wiederum sehnt sich nach Reichtum, dazu...

Das Irrlichtern großer Geister

Pola Oloixaracs Romandebüt besteht aus drei ineinander verwobenen Erzählsträngen: Die seltsame Liebesgeschichte der Außenseiter Kamtchowsky und Pabst handelt in der jüngsten Vergangenheit. Die beiden Nerds haben einen ausgeprägten Hang zu Exzessen, den sie in der Club- und Hackerszene von Buenos Aires ausleben. Auf einem dieser soziologisch-erotisch motivierten Ausgänge gelangt Kamtchowsky...

Zwei Mütter

Entlang einer mehrtägigen Flussreise spannt die junge Autorin Lorena Salazar ihren ersten Roman, der dichterisch klar formuliert ist und manchmal fast an einen inneren Monolog erinnert. Die Weiße Protagonistin fährt auf einem Fluss im Nordwesten Kolumbiens mit ihrem Schwarzen Sohn in den Ort ihrer eigenen Kindheit, um dort erstmals die...

Erzwungene Ruhe

Wo ist das Ende der Gedanken? Wann sind die Grenzen erreicht? Gine Pedersen erzählt das Leben einer namenlosen Frau­ und nimmt die Leser­innen mit in deren hemmungslose und selbstzerstörerische Gedanken, Gedanken, die laut um sich schlagen und nicht zur Ruhe kommen. Verzweifelt versucht die Protagonistin, ihren Platz in der Welt...