Schlagwort: Liebe

Wundersame Wahrnehmung

Wer sich für Ungereimtheiten und Auslegungsvarianten interessiert, der liegt bei der kanadisch-amerikanischen Autorin goldrichtig. Ob Traumepisoden, Psychosen oder die konstruierte Wirklichkeit wiedergegeben werden, die Gedankenspiele der unterschiedlichen Ich-Erzählerinnen sind in den Kurzgeschichten nicht so leicht in einen logischen Zusammenhang zu bringen. Wir bewegen uns in Oklahoma, New York oder Mexiko...

Die Subalternen!

Nun ist der zweite Erzählband der bereits 2004 verstorbenen amerikanischen Autorin Lucia Berlin veröffentlicht worden. Ihre HeldInnen sind ähnlich wie im ersten Band gestrandete LebenskünstlerInnen, die selten materiell erfolgreich im Leben sind, dafür aber in ihren sozialen Beziehungen umso leidenschaftlicher agieren und lebendig bleiben in einer Welt, die nicht zu...

Die Facetten des Liebens

Acht menschliche Geschichten spannen einen Bogen der alltäglichen Liebe, der Liebe zu Verwandten, der zwanghaften Liebe, der Liebe zu Gott bis zur erotischen Liebe. Die erste Erzählung endet mit dem beeindruckenden Monolog einer Tochter, die darin die Lebenslüge ihrer Eltern gekonnt bloßstellt. Nach einer Belehrung, sie solle doch im Hotelrestaurant...

Die Armbanduhr aber tickt wie eine Zeitbombe

In einer Wechselwirkung aus gedanklichen Monologen, pathetisch – fast schon kitschig anmutenden – Liebesbriefen und notizartig ausgeführten Tagebucheinträgen, reflektiert Gudrun Fritsch Eindrücke, Erinnerungen und Ängste rund um eine familiär wirkende Menschengruppe. Ohne den Unterschied zwischen fiktiven, erfundenen und erlebten Tatsachen zu kennen, kippt die Leserin in eine Gefühlswelt aus Liebe,...

gestern wie morgen alles ist immer heute

Elke Laznias Dichtungen sind ein drei¬teiliger rhythmischer Fluss, ohne Punkt und Komma. Nur der letzte Teil „Medikationen“ wird zerhackt durch Interpunktionen. Durch das Weglassen von Interpunktionen in den ersten beiden Teilen fließen die Dichtungen von Laznia ineinander, sind nicht abgetrennt voneinander, erschweren das Lesen und zwingen eine_n hierdurch sich ihnen...

Faszination an der Durchschnittlichkeit

„Die Idiotin“ ist ein Roman über Selin, ein Kind türkischer Migrant_innen, die im ersten Semester auf der Eliteuniversität Harvard studiert. Sie macht typische und untypische Erstsemestersachen, sie trinkt nicht, oder versteht den Sinn davon nicht, ebenso wenig wie den vom Tanzen. Sie liest, viel, ohne sich eine Meinung bilden zu...

Stakediven

In ihrem ersten Roman schreibt die Autorin über den Musiklehrer Franz, der mit seiner Frau Linn und seiner pubertierenden Tochter Julie ein farbloses familiäres Nebeneinander in Salzburg lebt. Die Geschichte kommt rasch in Gang, als Franz in einen Unfall verwickelt ist, wo ein 89-jähriger Pensionist stirbt und ihn seither als...

Just another lovestory?

In ihrem neuen Roman „Klartraum“ erzählt Olga Flor eine Liebesgeschichte oder vielmehr das Ende einer Liebesgeschichte. Nach etwa 25 Jahren beendet A die Affäre mit P an einer Straßenkreuzung in Berlin. Er macht Schluss mit ihr. Eine Geschichte, die schon hundertmal erzählt wurde. Olga Flor erzählt sie anders. Nicht nur,...

„Gestern warst du noch da …“

Die Geschichte von Nadja und Martin. Sie, Journalistin, Mitte 30, „Zonenkind“, aufgewachsen in einem Land, das es nicht mehr gibt, hat die Wende als Jugendliche erlebt. Wohnt in Berlin. Er, Wirtschaftsberater, Anfang 50, deutscher Jude, dessen Eltern Auschwitz, Dachau und Ravensbrück überlebt haben, aufgewachsen in Frankfurt am Main, lebt in...

Er kann aus der Erinnerung schauen!

Nach ihrem Debütroman „Die Farbe des Granatapfels“ erhält Anna Baar für ihren neuen Roman den Theodor Körner Förderpreis. Das titelgebende Träumen erscheint facettenreich als Phrase und Metapher, zieht sich durch, bis es sich langsam zunehmend immer mehr verdichtet. Das große Thema ist die Erinnerung, in ihrer ganzen Brüchigkeit. Erzählt wird...