Kategorie: Belletristik

Ausgespielt

„Gehen, ohne sich Zeit zum Verarbeiten zu nehmen, oder bleiben, gehen, wiederkommen, nachschauen, ob derjenige noch da ist, an uns denkt, uns ja nicht vergisst, uns noch immer liebt. Und den Abschied ewig wiederholen.“ Gegen dieses Pendelspiel entscheidet sich Kayden letzten Endes konsequent. Die Jugendliche ist die Hauptfigur des neuen...

Eine stoffliche Erzählung über Klassenverhältnisse

In einer bildhaften Sprache erzählt Sabine Scholl von Klassenverhältnissen und dem Bildungsaufstieg des erzählenden Ichs, das sich der zum Körper gewordenen Klassen-Scham zum Trotz auf der Suche nach Emanzipation befindet. Im Zentrum steht das Motiv des Stoffs – Stoffe seien tröstlich, heißt es zu Beginn des Romans. Die komplexe Beziehung...

Die Armut ist weiblich

Sonja und Harald leben irgendwo in Niederösterreich, in der Nähe von Wien. Sonja hat einen Teilzeitjob in einem Bioladen, Harald arbeitet bei einem Arbeitskräfteüberlasser auf dem Bau und fährt nach der Arbeit Taxi. Sie haben zwei Kinder und das Geld reicht hinten und vorne nicht. Verschärft wird die prekäre Lebenssituation,...

Sucht, Scham und Weiterleben

Villa ist Filmemacherin. Villa ist auch Tochter, Enkelin, Mutter, Freundin – und Alkoholikerin. Das Buch kreist um die Veröffentlichung ihres ersten Dokumentarfilms, dem Porträt von Dimmi, der im selben Viertel Reykjavíks aufgewachsen ist wie Villa – schwer süchtig, kriminell und doch verbindet ihn etwas mit ihr. Sie baut ihren Film...

Spiel und Tod

Megan Nolans Roman erzählt uns die Geschichte einer irischen Familie, die aufgrund einer ungewollten Schwangerschaft von Waterford nach London zieht. Carmel, die schwanger geworden ist, zieht sich in sich selbst zurück und stößt ihr Kind ab. Ihr Bruder und Vater versinken in Lethargie und Alkoholismus, während die Mutter als Einzige...

Mutig und ohne Furcht

„Es gibt spezielle Beeren im Schilf der Langen Lacke im Seewinkel. Sie blühen und tragen Früchte zugleich und wenn man die isst, kann man Psychosen bekommen.“ So sieht Nature Writing bei Stefanie Frank aus. Ihre autobiografische Erzählung Immer wenn ich mit Jesus chille ist eines der beeindruckendsten Selbstbildnisse, die die...

Mitgift

„Die Rekonstruktion von Körpern ist eine Möglichkeit, das Patriarchat herauszufordern, das die Körper von Frauen zensiert, kontrolliert und ihnen oft gleichgültig gegenübersteht. Für mich war es wichtig, nicht so sehr ein persönliches Porträt zu schaffen, sondern ein kollektives – pulsierend und lebendig.“ So beschreibt die Wissenschaftlerin und Poetin Jegana Dschabbarowa...

Berührende Brückenschläge

Beeindruckend an diesem Roman der jungen Schriftstellerin Helene Bukowski ist nicht nur die Thematik, sondern auch die exzeptionelle Erzählweise. Anhand von hinterlassenen Dokumenten rekonstruiert die Erzählerin das kurze, aber intensive Leben von Christina: Vom Vater in der DDR als musikalisches Wunderkind aufgezogen, geht sie von der Berliner Spezialschule ans Moskauer...

Melodie in Moll

Aus der Sicht eines Schulmädchens schildert Else Feldmann den Alltag im proletarischen Milieu in Wien Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Alltag ist geprägt von allgemeiner Armut und persönlicher Trauer. So ist etwa die Schwester schwer krank und stirbt schließlich. Für die Protagonistin ein schwerer Verlust, da die Beziehung zur Schwester...

Blick von unten

In ihrem vermutlich kurz vor dem 1. Weltkrieg entstandenen Roman beschreibt Else Feldmann das Leben im proletarischen Wien. Parteilich steht die – selbst in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsene – Autorin und aktive Sozialistin an der Seite jener, die gesellschaftlich und politisch an den Rand gedrängt werden: Fabriksarbeiterinnen, deren Kinder oder Waisen...