Kategorie: Belletristik

Uneindeutig

„Es gibt keine Handlung. Es gibt keine Protagonist_innen. Es ist beobachtetes Da_Sein“. So wird der Inhalt dieses Buches sehr treffend in einem Nachwort beschrieben. In kurzen Kapiteln, mit vielen leeren Zeilen dazwischen, finden Dialoge in einem abgelegenen Haus statt. Unklar ist, ob es innere Zwiegespräche sind, oder ob tatsächlich eine...

Helfende Erfahrungen

In ihrem zweiten Buch schildert Myrthe van der Meer den Alltag auf einer offenen Psychiatriestation sowohl aus auktorialer Erzählperspektive als auch konsequent aus Patieninnen-Sicht. Myrthe van der Meer ist das Pseudonym einer holländischen Autorin, die nach einem Burn-Out selbst klinische Erfahrungen gemacht hat und mit ihren von diesen Erfahrungen inspirierten...

Lebenskämpfe

„…ich möchte gern glauben, dass ich besonders bin.“ Nahid ist eine faszinierende Frau um die sechzig und nun steht sie an einem Wendepunkt, denn ihr Leben, das sie durch ihre Flucht aus dem Iran gerettet hat, steht nun vor dem nahenden Ende. Sie erhält am Romanbeginn eine Krebsdiagnose und es...

Zwischen Algier und Paris

Wie viele große Romane erlaubt auch der neue Roman der preisgekrönten Autorin Alice Zeniter vielfältige Lesarten – so ist er als Generationenroman einer Familie lesbar, als Versuch der Sichtbarmachung der Geschichte der Harkis in Frankreich, aber auch als moderne Migrationserzählung schlechthin. Die Protagonistin des Buches Naïma hat – wie Zeniter...

Vorbildliche Integration

In ihrem autobiografischen Roman „Ein fesches Dirndl“ erzählt Zdenka Becker die Geschichte der Migration der Protagonistin Bea von der Slowakei nach Österreich. Als sie 1975 mit ihrem Ehemann nach Wien kommt, beginnt für sie eine desillusionierende Zeit. Die ersten Monate sind von quälender Sprachlosigkeit, Isolation und intensiven Fremdheitsgefühlen geprägt. Bea...

Das Fremdsein und die erste Liebe

Immigration ist kein Spaziergang, schreibt Anna Galkina. Aus der Sicht einer Heranwachsenden ließe sich über einen Spaziergang vermutlich keine annähernd so fröhliche Geschichte schreiben. Humorvoll und nicht ohne böse Absicht schildert die Ich-Erzählerin Nastja, wie ihre kleine russisch-jüdisch-stämmige Familie, Mutter, Großmutter und Stiefvater ihr Leben in einer westdeutschen Kleinstadt der...

Über das (Nicht)ankommen

„Gott zürnt“ ist Kathrin Groß-Strifflers vierter Roman und nimmt sich eines zurzeit sehr aktuellen Themas an, nämlich der Flüchtlingsproblematik. Der Plot ist schnell erzählt: Sophia ist Hausfrau, von ihrem Mann hat sie sich entfremdet, ihre Tochter ist magersüchtig. Sie wird von allerlei Ängsten und Albträumen gequält. Da ihr langweilig ist,...

Abruptes Ende mit offenen Fragen

Im Roman „Dreißig Tage“ werden zunächst eigenartig anmutende Alltagsgeschichten erzählt. Stück für Stück werden spannendere Details dazu eingeflochten. Der Protagonist des Buches wird in vielfältige Sozial- und Beziehungsgefüge involviert. Auch seine eigene Biografie wird bekannt: Er wuchs bei seinem Onkel auf, während seine Mutter ein Diplomatenkind betreute – seine nunmehrige...

Von Wichteln und Rädertieren

Josepha Mendels schafft es, einen poetischen, oft auch humorvollen Roman über schwierige Themen zu schreiben: Ein Schriftsteller, Frans Winter, muss 1943 als Jude aus den Niederlanden flüchten, seine Frau und die zwei Kinder bleiben zurück, er gelangt nach wechselhaften Ereignissen letztlich nach London, wo er seine Zeit im Exil verbringen...

Rückblick auf Warschau

Ein Rückblick von Mutter und Sohn. Gemeinsam haben sie im 2. Weltkrieg als Warschauer Jüd*innen alles an Schrecken erlebt, was damals möglich gewesen ist. Sie haben überlebt, obwohl das unter den Gegebenheiten fast unrealistisch erscheint. Der Vater war Widerstandskämpfer und Retter englischer Piloten. Im Wald verborgen kommt es zu dramatischen...