Kategorie: Belletristik

Ein virtuoses What the fuck?!

Dieses Buch ist für Hartnäckige, denn es interessiert sich scheinbar kaum für seine Leser_innen, die sich der überbordenden Sprache und Erzählung entgegensetzen müssen. Philosophische Essays vermischen sich mit wissenschaftlichen Abhandlungen und literarischen Kunststücken, die die emotionale Welt der Protagonistin auf sperrige und doch poetische Weise beschreiben. Während Nerds versuchen, durch...

Transsein als Fest

Die einhundertachtundsiebzigjährige Tía Encarná ist wie eine Mutter für eine Gruppe von trans Sexarbeiterinnen*, die jede Nacht im Sarmiento Park in Córdoba ihr Geld verdienen. Sie sind speziell: eine von ihnen verwandelt sich sukzessive in einen Vogel, eine andere wird gelegentlich zur Werwölfin. Als sie eines Nachts ein Baby finden,...

Drei Frauen

Die in New York lebende iranische Künstlerin Anoush gerät durch den Freitod ihrer Kindheitsfreundin Anouk in eine Sinn- und Schaffenskrise und zieht sich nach Italien in ihr Feriendomizil zurück. Sie versucht in der ländlichen Idylle zu verstehen, warum ihre Freundin sich umgebracht hat. Ihre im Iran lebende Familie hat sie...

Das scheinbar Unausweichliche begreifen

Endlich ist er erschienen, der neue Roman der israelischen Schriftstellerin Zeruya Shalev! Der eindringliche Titel verweist auf die thematische Essenz des an Lebensgeschichten, israelischer Zeitgeschichte sowie persönlichen, politischen und religiösen Betrachtungen und Bezügen reichen Buchs, geht es doch um die durchaus schicksalhafte Verstrickung der Biografien zweier Frauen, der Gebäuderestauratorin Atara...

Geschwisterliebe

„Dein Kopf taugt nur für Bücher“, sagt Adriana zu ihrer älteren Schwester. Das Leben der beiden Frauen könnte nicht unterschiedlicher sein. Während die eine in einem heruntergekommenen Hafenviertel mit einem verschuldeten Fischer lebt, ist die andere mit einem Zahnarzt verheiratet und lehrt an der Universität von Grenoble. Nach Jahren der...

Ein Schlüssel, ein Bett, ein Tisch

Auf der Suche nach ihrem neuen Selbst folgt man der autofiktiven Protagonistin in ihrer unabstreifbaren Identität als Geflüchtete, zurück in ihre Kindheit am Gazastreifen, die geprägt ist von multiplizierter Unterdrückung inner- und außerhalb territorialer Grenzziehungen. Auf der Flucht definiert sie ihre Vorstellung von Freiheit – ein eigenes Zimmer, das sie...

Im Bann der Vergangenheit

Die 17-jährige Silvie hat nur ein Ziel: Weg von zu Hause und ihrem dominanten Vater, einem Hobbyforscher, der auf die Eisenzeit fixiert ist. Aber erst muss sie noch den Familienurlaub überstehen. Der wird, wie in jedem Jahr, nach den väterlichen Wünschen verbracht. Diesmal mit einer Gruppe Archäolog:innen, die einen Sommer...

Enttabuisierung mit Persönlichkeit

Myriam von Ms Buch ist wichtig, aber es sollte eine Triggerwarnung aufweisen: Überlege, deine Finger von dem Buch zu lassen, wenn du dich aktuell belastet fühlst. Die Autorin bricht ein Tabu: Sie spricht über psychische Störungen. Sie schreibt über Depression und Panik, über Ängste und Zwänge, über Borderline, Selbstverletzung und...

Schneeschuhhase müsste man sein

Mit ihrem ersten Roman erzählt Mireille Gagné eine Geschichte, die gewisse Facetten der zeitgenössischen neoliberalen (Hoch)Leistungsgesellschaft fantastisch und doch sehr real anmutend greifbar werden lässt. Diane, die Protagonistin, hat ihren Alltag strikt getaktet, um die bestmögliche Leistung im Büro zu gewährleisten. Von früh morgens bis spät abends sind selbst die...

Heimatlos im Mutterland

Diese Geschichte berührt, und das, obwohl sie von Schimpfwörtern, rassistischen und sexistischen Stereotypen nur so strotzt. Wie das? Sie ist aus der Perpektive des portugiesischen Jugendlichen Rui geschrieben, der 1974/75 im Zuge der Entkolonialisierung aus Angola vertrieben wird. Gerade durch die rohe Sprache wird dessen Realität schonungslos abgebildet. Als „Rückkehrer“...