Schlagwort: Geschichte

Literatur einer Zeitzeugin 1934-1938

Als Gerda Lerner (damalige Kronstein) 1938 als Jüdin aus Wien in die USA fliehen konnte, war sie 18 Jahre alt und wollte Schriftstellerin werden. Ihre Erlebnisse 1934-1938 als Heranwachsende in Wien politisierten sie zutiefst und waren lebenslanger Referenzpunkt ihres weiteren Engagements gegen Ungerechtigkeiten und Faschismus. Als „Pionierin der Frauengeschichtsschreibung“ wurde...

Entwicklungsgesetze

Der Inhalt des Romans bewegt sich um zwei bedeutsame Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts, den Evolutionstheoretiker Charles Darwin und den Begründer des historischen Materialismus Karl Marx. Um die beiden miteinander zu verbinden, wird von der Autorin ein junger Arzt als Kunstfigur entworfen, um die beiden in London lebenden Männer voneinander Kenntnis...

Eine kollektive Reise durch die Zeit

Der französischen Bestsellerautorin ist eine ausgesprochen leidenschaftliche Autobiografie gelungen. Ernaux sieht sich als Ethnologin ihrer selbst. Wer sich mit dem eigenen Älterwerden beschäftigt, ist hier an der richtigen Adresse und erhält eine klare Anleitung, um Zeit in Lebensabschnitten nochmals Revue passieren zu lassen. Während gemeinhin Auto- oder Biografien sich oft...

Queeres Leben in den 20er Jahren

Die Mopsa Sternheim Biografie von der vor zwei Jahren verstorbenen Forscherin Ines Rieder entführt einen in die frühen 1920er Jahre. In den Kreisen der damaligen deutschen und französischen DichterInnen, DenkerInnen und politischen WiderstandskämpferInnen wächst Mopsa Sternheim auf. Gemeinsam mit Klaus und Erika Mann, Pamela Wedekind und Annemarie Schwarzenbach lebt sie...

Frauen­bewegung, Geschichte, Deutsch

„Ein Grund zu feiern, zu erinnern und Geschichte(n) zu erzählen“ untertitelt der opulent gestaltete Band. Kritisch und informativ reflektieren die Beiträge 150 Jahre Frauen(bewegungs)vereine im heutigen Deutschland. Eingeleitet von Überlegungen zum Bruch, den der Nationalsozialismus für die Selbst-Erinnerung von Frauenbewegungen bedeutet, werden zunächst einige Differenzen zwischen dem Ansatz der „Frauengeschichte“...

Meistererzählung voller Ausblendung

Wie diese Narration und die damit einhergehenden Ausblendungen durchbrochen werden können und emanzipatorische Interventionen innerhalb der weißen Geschichtsschreibung möglich sein können, beschreibt Claudia Unterweger anhand der Untersuchung der theoretischen Arbeit und der Interventionen der Recherchegruppe zu Schwarzer österreichischer Geschichte. Die Autorin positioniert sich zu Beginn klar als Schwarze Frau* und...

Wenn Geschichten neu geschrieben werden

Aus der Sicht eines Kindes schildert Francesca Sanna die beschwerliche Flucht einer Familie aus einem Kriegsgebiet. Sie findet einfache und dadurch umso eindringlichere Worte, um etwas schwer Erklärbares für Kinder nachvollziehbar werden zu lassen. Worte, die im Gedächtnis bleiben und die Leserin betroffen zurücklassen. Was bedeutet Flucht? Hoffnung, Enttäuschung, Verzweiflung,...

Keine Zeit, noch einen Juden zu retten

Die chilenisch-amerikanische Autorin Marjorie Agosin begibt sich in dieser zweisprachigen Lyriksammlung auf eine Reise in die Vergangenheit, auf eine Reise zu den jüdischen Wurzeln und zum Holocaust, dem ihre aus Wien stammende Großmutter, Helena Broder, 1939 entfliehen konnte. Es ist die Sehnsucht nach „Omama Helena“ und einer nie gekannten, verlorenen...

Über die nicht allzu feine Gesellschaft

Wir schreiben das Jahr 1922. Handverlesene Gäst_innen treffen sich zum Tango-Tanzkurs im Grand Hotel Panhans am Semmering. Durch eine Verkettung von Umständen mitten drin: die pensionierte Lehrerin Ernestine in Begleitung des Apothekers Anton. Ernestine ist neugierig, Ernestine ist unkonventionell und Ernestine ist furchtlos. Bloß eines kann Ernestine nicht: tanzen. Das...