Kategorie: Belletristik

Welches Massaker?

Lara Haworths Debütroman Das Abschiedsmahl spielt in Belgrad, wo Olga Pavić die Nachricht erhält, dass ihr Wohnhaus beschlagnahmt werden soll, um dort eine Gedenkstätte zu errichten. Es soll an das Massaker erinnert werden – nur welches Massaker das sein soll, weiß niemand so genau. Olga beschließt, ihre nicht mehr in...

Zermalmende Knochen

Der Roman beginnt beim Zahnarzt, da die Protagonistin ihre Zähne zermalmt. Was sie jedoch eigentlich zermalmen will, davon handelt der Debütroman von Jehona Kicaj. Es geht um Sprache; die deutsche, die sie erst durch Trickfilmserien und dann im Kindergarten und der Schule lernt, sich jedoch lange weigert, diese zu sprechen;...

Streifzug durch Psychiatriegeschichte

„Gespensterfische hatten einen durchsichtigen Kopf, in dem die grün schillernden Augäpfel vollständig zu sehen waren. Der hohe Druck, der Mangel an Sauerstoff und Pflanzen, die dauerhafte Kälte und die fast vollständige Dunkelheit brachte unwirklich anmutende Wesen hervor. Im Laufe der Evolution hatten die Tiere sich an die unwirtlichen Bedingungen angepasst,...

Aussichtslos

Die Autorin Elena Messner verhandelt auch in ihrem aktuellen Roman wichtige ethische Themen. Es geht um die Profitgier in der Fleischindustrie und um die ökologischen Folgen. Die gelangweilte Beamtin Jana Dolenc recherchiert und dokumentiert in der personell unterbesetzten Umweltpolizei in München ökologische Skandale und stößt dabei immer wieder auf ein...

Alle Macht den Elefanten

Plötzlich waren sie da, die Elefanten und das mitten in Berlin. Nach dem Erlass eines neuen Elfenbeingesetzes, das die Einfuhr exotischer Jagdtrophäen einschränken soll, wird Bundeskanzler Winkler überfallsartig vom Präsidenten Botswanas mit 20.000 Elefanten ‚beschenkt‘. Sofort macht sich Panik in Regierungskreisen breit, denn zu allem Übel stehen auch noch Wahlen...

Gefiederte Identität

Von klein auf führt Amélie Nothomb ein privilegiertes Leben. Als Tochter eines belgischen Diplomaten ist die ganze Welt ihr Zuhause. Geboren in Japan, wächst sie in China, Bhutan, den USA und vielen anderen Ländern rund um den Globus auf. Als Kind fasziniert sie das tragische Märchen der Kranichfrau, die zum...

Raus aus dem Paradiesgarten

Eine märchenhaft versprachlichte Bildanalyse schafft Lisa Kränzler mit ihrem kleinen Buch Mariens Käfer anhand des Gemäldes „Das Paradiesgärtlein“ eines des Oberrheinischen Meisters von 1410/1420. Im Stil eines Kunstmärchens erzählt sie die Geschichte eines Käfers, der auf dem Bild eher unspektakulär platziert und am Rande zu sehen ist. Jetzt wird er...

Nicht in der Norm

Klara leidet an einem Erschöpfungssyndrom. Phasenweise „funktioniert“ sie in ihren Rollen als Kleinkindmutter und Arbeitnehmerin. Zwischendurch Zusammenbrüche, Spitalsaufenthalte. Ihr Mann versucht mit viel Verständnis den Alltag am Laufen zu halten, aber auch, Klaras Zustand zu „managen“. Keine Recherche, keine Spezialist:innen führen zu einer Diagnose und viel weniger noch Heilung. Klara...

Den Schmerz im Familienkörper finden

Im Debütroman Familienkörper beschäftigt sich Michèle Yves Pauty mit familiären Beziehungen, Krankheit und Körperlichkeit. Dabei wird die Erfahrungswelt des literarischen Ich, dessen Aufwachsen im Tirol der 1980er Jahre den Rahmen des Romans bildet, überzeugend beschrieben. In einer klaren Sprache wechselt Pauty in kurzen Absätzen zwischen der Perspektive des Ich und...

Endlich wieder wach

„Dem Schlaf gehört alles: mein Tag und meine Nacht.“ Mit diesen Worten beginnt Tamar Noorts neuer Roman und beschreibt damit sehr treffend, wie präsent der Schlaf ist, gerade wenn er nicht da ist. Janis arbeitet als Nachtwache in einem Schlaflabor und trifft dort auf Sina, eine Lehrerin und Mutter, der...