Kategorie: Belletristik

Salzig wie Dörrfleisch

Erzähler ist der Stausee Akkajaura im Westen Schwedens, seine Stimme wird von der Erzählung von drei Frauen – Mutter, Schwester und Tochter – im Schweden der 1940er Jahre unterbrochen. Sie gehören der Minderheit der Samen an, die länderübergreifend in Norwegen, Schweden, Finnland und Russland leben. Die 1940er Jahre waren eine...

Drogentaumel durch Berlin

Aria Abers Debütroman Good Girl spielt im Berlin der 2000er Jahre. Wir folgen der 19-jährigen Nila durch zwei Jahre des Erwachsenwerdens in Berlin. Dort in einem Plattenbau aufgewachsen, kehrt sie nach Jahren im Internat zurück in die Wohnung ihrer Eltern und versucht, ihren Gefühlen in einem Labyrinth aus Feiern, Sex,...

Die sogenannte Wirklichkeit

Von wegen, schöne Jugend: Die Zeit des Erwachens und Erwachsenwerdens ist äußerst selten eine schmerzfreie Angelegenheit, nicht einmal im Rückblick. Diese Erfahrung macht die Hauptperson in Vigdis Hjorths autobiografisch gefärbtem Roman Wiederholung: Die Ich-Erzählerin hat sich – nach einer intensiven Phase öffentlicher Auftritte – in eine einsame Hütte im Wald...

Im Jahr der Schlange

Lai wächst in einem Arbeiterviertel in Peking der 1970er Jahre auf. Mit ihrem kleinen Bruder kann sie wenig anfangen, ihr Vater ist depressiv und ihr gegenüber distanziert, ihre Mutter ist zumeist übergriffig und lästig. Einzig zu ihrer Großmutter Po Po gelingt es ihr, eine innige Beziehung aufzubauen. Ihr schulischer Erfolg...

Wie es scheint

Die Unbarmherzigkeit, die die Ich-Erzählerin Byproxy an den Tag legt, habe ihr gefallen, erzählt Raphaela Edelbauer bei der O-Töne-Lesung im Museumsquartier. Byproxy ist das jüngste Mitglied der philosophischen Aktivist:innen-Gruppe Aletheia, die gegen den Konstruktivismus und für die Wahrheit kämpft. Nach und nach taucht die Leser:in in die Geschichte ein, wobei...

Mitmenschlichkeit in den Verhärtungen gesucht!

Die Autorin Nava Ebrahimi fängt an einem einzigen Tag die unterschiedlichen Perspektiven, Stimmungen und Gedanken von sechs Protagonist:innen ein, die sich am Ende zufällig treffen. Dabei entsteht ein vielfältiges Bild über die Menschen in einer kleinen Ortschaft im Emsland, deren Drehscheibe sich im Geflügelschlachthof Möllring befindet. Die alleinerziehende Fließbandarbeiterin, die...

Ton und töpfern

Akiko interessiert sich bereits als Kind fürs Töpfern. Schon im Atelier ihres Onkels schafft sie erste Tonfiguren. Als junge Frau verlässt sie Japan und besucht in Deutschland eine Keramikschule. Ein Praktikum führt sie in den Bregenzerwald zu Friedrich. Akiko und Friedrich – die beiden Protagonist:innen – betreiben das Töpfern mit...

Ganz viel Gefühl

Im Debütroman von Mareike Klee geht es um Hedwig und Avi – sie eine angesehene Professorin und Mutter zweier Kinder, deren Leben in geregelten Bahnen verläuft; er Student, jung, DJ, umtriebig und waghalsig. Beide sind unterwegs auf einem Roadtrip ans Meer, bei dem sie sich unsterblich ineinander verlieben. Als Leserin...

Jenseits der Echokammer

Was bedeutet es heute noch, ‚links‘ zu sein? Diese Frage stellt Nora Haddada in ihrem Roman Blaue Romanze und dekliniert sie bis in intime Beziehungen hinein. Als Julian in einer Bar in Marseille zum ersten Mal auf Myriam trifft, spüren beide sofort eine starke Anziehungskraft. Beide sind jung, kritisch, intellektuell...

Das Ende ist der Anfang

Erstmalig 1954 wurde der Roman der englischen Autorin Elizabeth Jenkins publiziert, nun ist er in deutscher Sprache erschienen. Wer heute meint, dass die Emanzipation der Frauen selbstverständlich wäre, lese diesen zynischen Roman, um die verkrusteten Geschlechter-Verhältnisse in der Upper Class zu reflektieren. Das Verhandeln der Geschlechterkonflikte wird aus der Perspektive...