Kategorie: Wissenschaft & Sachbuch

„Bei Frauen soll1en wir strenger sein“

So lautet eine kleine, aber aufschlussreiche interne Notiz in Eva Ruttes Antrag an den Neuen Hilfsfond, in dem die Gattin eines Gynäkologen – beide konnten sich rechtzeitig vor den Nationalsozialisten ins sichere Exil retten – Anspruch auf Hilfsleistungen stellte. Barbara Sauers Beitrag „Beruf: Arztgattin?“ beleuchtet eindrücklich die genderspezifischen Aspekte der...

Antisemitismus und Misogynie

Als Rabbinerin weiß Delphine Horvilleur, wovon sie spricht, wenn sie ihre Leser_innen auf einen Ausflug in die Hintergründe des Antisemitismus einlädt – und der ist ohne Frage erkenntnisreich. Die Französin schafft es, das immer noch hochaktuelle Thema kritisch zu beleuchten und gleichzeitig eine humorvolle Schreibweise beizubehalten. Sie befasst sich mit...

Mit dem Fahrrad zur Gleichberechtigung

Mit dem Fahrrad zur Gleichberechtigung Schriftstellerinnen, Politologinnen, Historikerinnen und Journalistinnen schreiben über feministische Errungenschaften, die im Jubiläumsjahr zu 100 Jahren Frauenwahlrecht gefeiert wurden. Was bedeutet es heutzutage, die politische Mitbestimmung zu feiern? Der Kampf um das Recht auf politische Teilhabe sei noch nicht abgeschlossen, die Frage, auf welche Errungenschaften die...

Africa for the Africans – Verpasste Chancen

Zunächst stellt die Autorin die ideologisch sich widersprechenden Begriffsschulen für „Nationalismus“ und „Internationalismus“ und deren historische Bedingtheit vor. Sie klärt, welche Rolle diese widersprüchlichen Sichtweisen für die Entstehung des Panafrikanismus im globalen Süden haben. Die Visionen der Vertreter des Panafrikanismus, wie Frantz Fanon, Ben Balla (Algerien) und Kwame Nkrumah (Ghana)...

Politisierte „Opferwürde“

Herausgeber Arne Hoffmann will mit diesem Buch von 450 Seiten, in dem er knapp die Hälfte selbst verfasst hat, einen Dialog über kontroversielle Themen zur Gleichberechtigung ermöglichen und plädiert für integralen Antisexismus. Dem ist vorausgesetzt, dass es erstens neben Feminismus gerechterweise einen Maskulismus für Männer brauche und dass zweitens Männer...

Hate Speech

Ende 2018 führte das Institut für Legal Gender Studies in Linz eine interdisziplinäre Tagung zum Thema Gewalt im Netz durch. Die Auswahl besteht aus kommunikationswissenschaftlichen und rechtswissenschaftlichen Forschungsbeiträgen. Nach einer Begriffsbestimmung, was unter Hassreden zu verstehen ist, werden die rechtlichen Rahmenbedingungen erläutert, wie diskriminierende Inhalte im Netz vom Staat oder...

Schirmachers überlappende Lebenskreise

Das in zugänglicher Sprache geschriebene Buch geht aus einem umfänglichen wissenschaftlichen Projekt hervor und beruht, außer auf all den anderen Quellen, auf dem reichhaltigen Nachlass von Käthe Schirmacher. Als multifokale und kritisch-reflektierende Biografie verweigert sich der Band jeglichen traditionellen Konzepten des Biografischen. Angesichts der komplexen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Genre...

Widerstand – Konzentrationslager – Ausgrenzung

Die AutorInnen versuchen anhand von Lebensgeschichten dreier Widerstandskämpferinnen eine mikrosoziologische Aufarbeitung der Widerstandsnetzwerke, denen diese jeweils angehörten. Die untersuchten Gruppen sind der Kommunistische Jugendverband (Barbara Eibensteiner), der tschechische Widerstand (Irma Trksak) und die Mischlingsliga Wien (Gertrude Horn). Alle drei Netzwerke sind dem kommunistischen Widerstand zuzurechnen. Neben den Wegen in den...

Thürmer-Rohrs philosophischer Vorlass

Mit der Mittäterschaftsthese hat sich Christina Thürmer-Rohr in den 1990er Jahren in feministische Debatten eingeschrieben, indem sie auf die aktive Teilhabe von Frauen am Nationalsozialismus hinwies und damit grundsätzlich das Mitwirken von Unterdrückten an der Aufrechterhaltung von Unrechtssystemen befragte. Damals wie heute geht es ihr um die Handlungsmacht von Menschen,...

(K)eine Sprache für Sexualität?

Unsere Sprache für Sexualität, Lust und Begierde ist – wie die vieler anderer Bereiche – stark von einem männlichen Blick geprägt. Simone Schönett begibt sich auf knapp hundert Seiten auf die Suche nach einer anderen, einer „weiblichen“ Ausdrucksweise, einem „neuen Sprachgewand“. Das Ergebnis ist eine Art „lyrischer Essay“, zusammengesetzt aus...